Grundtechnik des Spinnens Beim Spinnen verbindet man lose Fasern durch Verdrehen zu einem  langen, stabilen und elastischen Faden. Wenn man einige Fasern aus  dem Faservorrat (Vlies, Kammzug, Kardenband) herauszieht und  miteinander verdreht, werden die Fasern durch den Drall  zusammengehalten. Lässt man aber den selbstgedrehten Faden  wieder los, so löst er sich wieder auf. Um den Faden und den Drall zu  stabilisieren, muss der Faden mit sich selbstverdreht werden. Ein  stabiles Garn stellt man her, indem man zwei gesponnene Fäden  direkt miteinander verzwirnt. Das Prinzip des Spinnens war seit jeher  dasselbe: einige Fasern werden aus dem Faservorrat herausgezogen,  umeinanderverdreht und der entstandene Faden sodann verzwirnt.  
(4) aufgewickelt. Für die Drehbewegung (den Antrieb) von Spindel und Spule gibt es unterschiedliche Modelle. Im  aufgezeichneten Schema wird die Spule durch den Antriebsriemen, welcher über die Schnurrille (5) läuft, direkt  angetrieben, die Spindel dreht sich durch die Reibung mit. Die Spindelachse (6) ist in der Achsenstütze verankert.  Je nach Garndicke (Stärke) und Beschaffenheit des Garns muss die Geschwindigkeit der Spule im Verhältnis zur  Drehung der Flügelspindel angepasst werden. Je dicker ein Garn werden soll, desto weniger Drall benötigt es und daher  muss sich die Spindel im Verhältnis zur Spule langsamer drehen.  
Dreht man das Schwungrad nach rechts, also im Uhrzeigersinn, dann  entsteht ein Drall, der als Z-Drehung bezeichnet wird. Wird hingegen das  Antriebsrad nach links gedreht, ergibt sich eine S-Drehung im Garn. Die  Bezeichnung Z und S bezieht sich auf die Schrägstriche bei den beiden  Buchstaben.  Meistens werden die Einfachfäden in Z-Richtung gesponnen. Zum  Verzwirnen wird dann in die entgegengesetzte Richtung, also mit S-  Drehung, verdreht. Das Verzwirnen der Fäden hat einerseits die Funktion  des Drallausgleichs. Außerdem verleiht das Verzwirnen den Fäden  zusätzliche Festigkeit. Ein zweifach verzwirntes Garn ist viermal so fest  wie ein Einzelfaden.  
Haspeln Das Haspeln des Garns hat 3 Funktionen:  1. Das fertige Garn  wird von der Spule genommen.  2. Die Garnlänge wird bestimmt. Dafür misst man den Umfang der Haspel  ab. Danach wird gezählt, wie oft man das handgesponnene Garn um die  Haspel wickelt. Durch Multiplikation des Haspelumfangs mit Anzahl der  Umwicklungen kann man die Gesamtlänge des Garns bestimmen.  3. Der Drall in Garn kann zusätzlich auf der Haspel fixiert werden.   Um den Drall zu fixieren wird der Strang auf der Haspel befeuchtet. Dafür  eignet sich insbesonders die Kreuzhaspel.  Dieser  Schritt ist nicht in jedem  Fall notwendig, jedoch kann dadurch eine gleichmäßigere Verteilung des  Dralls bewirkt werden. Eine andere Methode, die Fasern an ihre neue  Position zu gewöhnen, ist das Entspannungsbad (siehe nächsten Absatz).  Es gibt verschiedene Haspelarten, wie die Kreuzhaspel oder die  Schirmhaspel. Als Haspel können aber auch die Beine eines umgedrehten  Stuhls verwenden werden. Um das Garn von der Haspel abzunehmen, wird  es entweder zum Wollstrang  gebunden oder zu einem Knäuel gewickelt. 
Entspannungsbad Durch das Entspannungsbad können sich die Fasern im fertig gesponnenen  Garn an ihre neue Position gewöhnen. Für das Entspannungsbad werden die  Wollstränge in kaltes Wasser gelegt und dann langsam auf maximale  Waschtemperatur (40°C) erwärmt.  Wichtig ist es, dass Garn während des  Entspannungsbades nicht bewegt wird, da sonst die Gefahr des Verfilzens  besteht.   Das Entspannungsbad bewirkt eine gleichmäßigere Verteilung des Dralls im  Garn. Gleichzeitig wird den Fasern durch das kontrollierte Erwärmen im  Wasserbad erlaubt, sich zusammenzuziehen. Dadurch wird vorgebeugt,  dass das Strickwerk beim ersten Waschgang schrumpft. 
Kleine Faserkunde Auf dem Foto sind ein Vlies (1),  ein Kammzug (2) und ein Kardenband (3)  zu sehen, wie sie auch im Handel erhältlich sind. Alle sind direkt für das  Verspinnen geeignet.  Das abgebildete Vlies (1) besteht aus Schafwollfasern, die durch Kardieren  gelockert wurden. Die Fasern liegen kreuz und quer. Hingegen sind die  Fasern von Kammzug und Kardenband geordnet in eine Richtung. Der  Kammzug (2) besteht aus glatten Fasern. Nur aus langfaserigen Materialien  lässt sich ein Kammzug erzeugen. Hierzu werden die Fasern durch Kämmen  parallelisiert und zu einem Band verstreckt.   Das Kardenband (3) besteht dagegen aus gekräuselten Fasern. Kardenband  und Kammzug können vor dem Verspinnen längs geteilt werden,  um ein  Vorgarn herzustellen.  
Auf dem Foto unten sind Maulbeerseide (1),  Leinen (halb gebleicht, 2), Schafwolle (3) und Baumwolle (4) zu sehen.  (Die hier abgebildetet Leinenfasern sind kürzer als die früher verwendeten Fasern. Leinenfasern werden heute gekürzt  und als Kammzug verkauft, was den Vorteil hat,  dass sie so direkt versponnen werden können und nicht mehr  aufgerockt werden müssen.) Eine Faser lässt sich um so besser verspinnen, je länger die Faser ist (Stapellänge), aber  auch je gekräuselter die Faser ist.   Dementsprechend lässt sich Baumwolle (4) mit dem Spinnrad nur sehr schlecht verarbeiten.    Die Feinheit und die Kräuselung von Schafwolle (3) sind schafrassenabhängig. Die Länge hingegen ist weitgehend  abhängig von der Schur. Die Schafe in Tirol werden üblicherweise zweimal im Jahr geschoren, dementsprechend kurz  sind die Haare.  Durch die starke Kräuselung ist die Wolle jedoch zum Handspinnen sehr gut geeignet. Leinen wird aus  den Stengelfasern der Flachspflanze hergestellt.  Die Fasereigenschaften sind fest und glatt. Seide wird aus dem Kokon  der Seidenraupe hergestellt. Seide (1) besticht durch ihre Geschmeidigkeit und ihren Glanz und eignet sich ebenfalls  sehr gut zum Handspinnen. Seide und Schafwolle sind tierische Produkte, während Baumwolle und Leinen aus  Pflanzenteilen hergestellt werden. 
Die Spindel Die U-förmigen Flügel (3), welche fest an der Spindel befestigt sind,  geben dem Flügelspinnrad seinen Namen. An den Flügeln sind  Häckchen befestigt, die das Garn führen, um es gleichmäßig auf der  Spule (4) aufzuwickeln. Die Spule ist auf die Spindel gesteckt. An der  Spindelspitze ist das Einzugsloch (1). Das neu gesponnene Garn wird  zuerst durch das Einzugsloch (1) in die Spindel gezogen. Bei einem  zweiten Loch (2) wird das Garn herausgeführt, es läuft entlang der  Häckchen an einem der beiden Flügel (3) und wird dann auf die Spule  
Das Spinnrad Das große Schwungrad (1) des Spinnrades gibt die Drehung über den  Antriebsriemen (2) an die Spule und Flügelspindel (3) weiter. Die Größe des  Antriebsrades ist entscheidend für die Geschwindigkeit des Spinnens. Das  Übersetzungsverhältnis ergibt sich aus der Größe des Antriebsrades und der  Antriebsscheibe auf der Spule (4). Ein großes Antriebsrad gewährleistet eine  hohe Geschwindigkeit und ist daher sehr produktiv. Bei einem kleinen  Antriebsrad ist der Spinnvorgang langsamer, es ist daher geeignet für dicke  Wollgarne. Das Übersetzungsverhältnis kann bei modernen Flügelspinnrädern durch  unterschiedlich große Spulenscheiben (4) beeinflusst werden. Früher gab es  für jede Garnart (z.B. Flachs oder Wolle) ein spezialisiertes Spinnrad mit  jeweils unterschiedlich großem Schwungrad, Spulenscheibe etc.  Das Trittbrett (7) treibt das Schwungrad an. Beim Wechseln der Spule kann  mit Hilfe der  Feststellschraube (5) die Spannung der  Antriebsschnur  gelockert und festgestellt werden.      
Aufbau des Flügelspinnrades  Unter den Begriff Spinnrad wird heute meist das Flügelspinnrad mit  Fußantrieb verstanden, welches im 17. Jahrhundert entstanden ist. Die  Flügel am Spinnrad ermöglichen das gleichzeitige Verdrehen der  Fasern und das Aufwickeln des gerade gesponnenen Garnes. Der  Fußantrieb erlaubt es, beide Hände für das Spinnen zu gebrauchen,  während bei Spinnrädern ohne Fußantrieb eine Hand damit beschäftigt  ist, das Rad in Schwung zu halten. 
Effektgarne lassen sich durch Verzwirnen herstellen, indem man z.B. die Fadenspannung variiert. Man kann den einen  Faden straff, den anderen lose halten. Der lose Faden wird um den straffen Faden herumwickelt.  Ebenso beeinflusst der  Winkel, in dem die Fäden beim Verzwirnen gehalten werden, die Gestaltung des Fadens. 
Vorgarn Kammzug oder Kardenband werden mehrfach in Längsrichtung geteilt,  sodass man mehrere dünne Bänder erhält. Diese Bänder werden  zusätzlich in Längsrichtung auseinander gezogen Diesen Vorgang  bezeichnet man als „Verstrecken“.  Dadurch erhält man sehr dünne und  lange Bänder, welche recht einfach zu Garn gesponnen werden können.  
Gegenüberstellung der wichtigsten Naturfasern
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Der Bautypen “waagrechtes Spinnrad mit Rahmen”  waren in Tirol weit verbreitet.
Z-Drehung und S-Drehung und Zwirnen
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